So wählen Sie ein E-Bike aus
E-Bikes kosten heute durchaus so viel wie ein Gebrauchtwagen. Trotzdem stellen viele Leute bei der Auswahl immer wieder dieselbe Frage: „Und wie weit kommt man damit?“ Aber gerade diese Frage ist oft die irreführendste. Wonach sollten Sie die Verkäufer also fragen? Das erklärt Richard Gasperotti, Botschafter von Bosch eBike Systems.
Reichweite? Ja. Aber das ist keine magische Zahl
Die Reichweite ist mit Abstand die häufigste Frage in den Geschäften. Zugleich aber die Angabe mit der geringsten Aussagekraft. Eine allgemeingültige Antwort gibt es nämlich nicht. Es kommt auf eine Vielzahl individueller Größen an, wie Ihr Gewicht, das Gelände, die Temperatur, den Reifendruck und darauf, wie stark Sie sich vom Motor helfen lassen.
Die einfache Regel lautet: Je mehr Sie treten, desto weniger arbeitet der Akku. Sobald Sie sich aber hauptsächlich auf den Motor verlassen, schwindet die Energie schneller.
„Generell gilt: Je größer die Akkukapazität, desto größer die Reichweite. Die Kapazität wird in Wattstunden (Wh) angegeben. Heute sind 500 bis 750 Wh Standard. Wenn Sie lange Strecken ohne Sorgen fahren möchten, wählen Sie einen Akku mit einer Kapazität von über 800 Wh“, sagt Richard Gasperotti, Botschafter des E-Bike-Antriebsherstellers Bosch eBike Systems, und fügt hinzu, dass sich ein Ausflug von etwa 50 km auch mit einem Akku mit einer Kapazität von 500 Wh sorgenfrei bewältigen lässt.
Beim Motor geht es nicht nur um Watt. Wichtiger ist, wie er zupackt
Der Motor ist das Herz des E-Bikes. Die Leistungsangaben verwirren die Nutzer oft. Damit ein E-Bike die EU-Gesetzgebung erfüllt und als Fahrrad (nicht als Moped) gilt, muss es Folgendes aufweisen:
- eine Nennleistung von bis zu 250 W,
- Unterstützung nur beim Treten,
- Unterstützung maximal bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h.
Dadurch brauchen Sie weder einen Führerschein noch ein Kennzeichen noch eine Pflicht-Haftpflichtversicherung und dürfen auf Radwegen fahren. Einen Helm schreibt das Gesetz nicht vor, aber die Vernunft.
„Das Gesetz begrenzt nicht die maximale (Spitzen-)Leistung des Motors. Beim Anfahren oder an Steigungen kann der Motor kurzzeitig durchaus 500, 600 oder sogar 750 W erreichen“, weist Gasperotti hin.
Drehmoment: die Zahl, die Sie am Berg erkennen
Bei E-Bikes ist oft das sogenannte Drehmoment, angegeben in Newtonmetern (Nm), wichtiger als die Watt. Es entscheidet darüber, wie bereitwillig das Rad anfährt und wie es mit Steigungen oder Gelände zurechtkommt.
„Ein Wert zwischen 60 und 90 Nm bedeutet, dass die Fahrt immer dynamisch genug ist“, beschreibt der E-Bike-Botschafter von Bosch eBike Systems. „Der Motor vervielfacht Ihre Kraft, er arbeitet nicht allein. Am besten bekommen ihm leichtere Gänge und eine höhere Trittfrequenz. Mit anderen Worten – schneller und leichter zu treten ist besser als langsam und mit Kraft.“
Ein stärkerer Motor mit höherem Drehmoment macht sich vor allem an Steigungen bemerkbar. Es gilt aber weiterhin: Der Motor ersetzt keine Fitness, sondern verstärkt sie nur auf clevere Weise.
Nicht jeder Motor ist für alles geeignet
Die Hersteller bieten in der Regel Motoren an, die nicht nur nach Leistung und Drehmoment, sondern auch nach dem vorgesehenen Einsatz abgestuft sind. Also danach, welchen Zweck sie haben.
„Bosch eBike Systems unterteilt seine Antriebseinheiten zum Beispiel in die schwächere Performance Line SX und die stärkere Performance Line CX, hat daneben aber spezielle Motoren Performance Line PX für Radtouristen, die mit Gepäck reisen, die Cargo Line für Lasten-E-Bikes, die Active Line für schwächere City-Räder und weitere“, sagt Richard Gasperotti.
Wählen Sie deshalb nicht den stärksten Motor, nur weil er höhere Zahlen hat. Wählen Sie den, der dem entspricht, was Sie mit dem Rad tatsächlich vorhaben.
Wie stark Sie der Motor beim Treten unterstützt, beeinflussen Sie, indem Sie zwischen den Fahrmodi umschalten, von den schwächsten (Eco) bis zu den stärksten (Turbo). Die Modi wählen Sie am Display oder am Bedienelement, und die Änderung spüren Sie sofort. Denken Sie aber daran, dass mehr Unterstützung den Akku schneller leert und die Reichweite verkürzt.
Sicheres Bremsen dank ABS
Wenn für Sie sicheres Fahren an erster Stelle steht, fragen Sie nach ABS. Das ist ein Bremsassistent, der bei Autos oder Motorrädern selbstverständlich ist. Das unauffällige System, das nur eine kleine Einheit an der Gabel des E-Bikes verrät, überwacht mithilfe von Sensoren die Raddrehung und reguliert in einer kritischen Situation automatisch den Bremsdruck, damit das Vorderrad nicht blockiert, das Hinterrad nicht abhebt und der Fahrer nicht am Boden landet. „Gerade Stürze über das Vorderrad gehören zu den häufigsten und gefährlichsten, wobei Untersuchungen von Bosch eBike Systems zeigen, dass ABS bis zu 30 % davon verhindern kann. Das Ergebnis? Ein kürzerer Bremsweg, bessere Kontrolle über das Rad und deutlich mehr Sicherheit, vor allem auf rutschigem Untergrund und in unerwarteten Situationen“, sagt Richard Gasperotti.
Das E-Bike als intelligentes Gerät
Von herkömmlichen Fahrrädern unterscheiden E-Bikes auch die Möglichkeit der Verbindung mit einer mobilen App, die die Nutzungsmöglichkeiten des gesamten Systems grundlegend erweitert. „In der App Bosch eBike Flow können Sie zum Beispiel die einzelnen Fahrmodi oder die Art, wie die Navigation Sie führt, individuell anpassen. Die App dient außerdem zur drahtlosen Aktualisierung der Software, die Motor, Akku und weitere Komponenten steuert, und stellt so sicher, dass Ihr E-Bike stets die bestmöglichen Eigenschaften hat, die dem neuesten Wissensstand der Entwickler entsprechen“, präzisiert Richard Gasperotti. Die App dient auch als Serviceheft mit allen Wartungseinträgen.
Diebe schlafen nicht. Zum Glück die Technik auch nicht
E-Bikes sind ein attraktives Ziel. Deshalb gibt es heute digitalen Schutz, der weiter geht als ein klassisches Schloss. Über die App lassen sich Motor und Akku elektronisch sperren, wobei das Rad nach dem Ausschalten praktisch nicht mehr fahrbereit ist und erst nach dem Koppeln mit Ihrem Telefon per Bluetooth wieder aktiviert wird.
In der App bleiben außerdem alle Daten zum Rad gespeichert, einschließlich der Seriennummer, die bei Verhandlungen mit der Polizei oder der Versicherung helfen kann. Neu lässt sich das E-Bike in der App als gestohlen markieren und so praktisch zu einer unverkäuflichen Ware machen, denn jeder Interessent sieht diese Information sofort.
Der letzte Rat? Fragen Sie Menschen
Die technischen Parameter sind zwar wichtig, aber genauso wichtig ist echte Erfahrung. Fragen Sie Bekannte, probieren Sie verschiedene Räder aus, vertrauen Sie Ihrem eigenen Fahrgefühl. Denn ein gutes E-Bike ist nicht das mit der größten Zahl in der Tabelle, sondern das, auf das Sie sich immer wieder setzen möchten.


















